So, da isse wieder, die Jane...
War schon viel zu lange abgetaucht in der Welt des handfesten und greifbaren, ach was, an der Schule machte sie ein Praktikum, um zu erfahren, ob der Job der Lehrerin die richtige Wahl sei.
Und, was kann ich sagen? Diese 4-Wochen-Vollzeiterfahrung hat meinen Geist ganz schön aufgeschwemmt mit neuen Erfahrungen und Ideen und komplexen Erfassungsmethoden, da kann mein Handbuch "Schulpraktikum", das von der Uni empfohlen wurde, längst nicht mehr mithalten. Ich frage mich nun, wie und was Kafka wohl gemacht hätte, wenn er heute lebte und von der Marotte des Bloggens unter wildfremden Menschen gewußt hätte. Vielleicht hätte er auch seine Felice Bauer eher in einem Internetchatraum kennen und becircen gelernt als in der profanen Umgebung seines Berliner Lebens. Und vielleicht will da gerade eine Idee zur Unterrichtsgestaltung in der Sek II in mir geboren werden ;-)
Mir schwant viel Neuland beim Betreten dieser virtuellen Gedankenblase wo jedeR sich jeden Tag neu erfinden und darstellen kann - mich überfordert ja an manchen Tagen schon das ganz platte dreidimensionale Dasein auf diesem Planeten mit ganz banalen Bedürfnissen und Herausforderungen. Eine zentrale Frage, die ich mir seit einiger Zeit stelle, ist die Suche nach Kontakt, auf der mir immer mehr Menschen scheinen, gerade dann, wenn dieser immer schwieriger wird.
Die einen sind ständig in einem Wirbel aus Bewegung und Aktivität unterwegs von A nach B nach C nach D nach F nach B nach A. Die anderen ruhen so tief in sich, das ich mich manchmal frage, ob dies Lebendigkeit sein kann.
Entspannung - Anspannung Einatmen - Ausatmen
organische Abläufe und manchmal doch besser, dass sie geschehen, ohne das ich sie steuern kann?
Kontakt: contingere - berühren - berührt werden. Gerührt sein - in etwas rühren - rührselig und manchmal auch aufrührerisch - so wünsche ich mir Kontakt
Und dann? Wieviel Nähe, wieviel Distanz brauche ich, brauchst Du, braucht Ihr, brauchen sie?
Wie kommt es, dass ich mir verloren in einem Blogger-Meer vorkomme. Weil keineR einen Kommentar postet, obwohl ich ja mit der JaneWelt zu meinem ureigenen Vergnügen in das Abenteuer Internet gestartet bin, das mir manchmal wie gefährliches Tiefseetauchen vorkommt (lese gerade den Schwarm von F. Schätzing und bin sehr gefesselt ob der Metaphorik des Unbekannten, der Beherrrschen Wollens und nutze nun frohgemut einige seiner Bilder für meine Gedanken).
So. Einen Monolog willst Du also hier schreiben? Sozusagen Ulyssia? Und wer liest Dich? Text is the nex Sex?
Hmh.
Wesentliche Fragen kommen und bleiben.
Was will ich hier?
Und was wollen all die anderen, die sich mir so unglaublich nah aufzudrängen scheinen?
Scheint ja ganz so, als wäre heute mal wieder die Couch dran?!?
Also: Tagebuch schreiben, das kann doch echt jede. Und in der Schule habe ich zuletzt "gelernt", dass es sogar die feste literarische Gattung "das Tagebuch" gibt, in der nicht nur einfach von Tagesgeschehnissen berichtet wird, sondern auch emotionale Zustände haarklein thematisiert sind. Aaaha.
Und was ist dann so ein Blog? Was soll dies für eine "literarische" Gattung sein? Im Einführungsseminar Literaturwissenschaft haben wir diskutiert, was Literatur sein kann. Fiktiv.
Aber eben auch schriftlich festgehalten. Somit ist alles, was ich aus der Wirklichkeit selektiere und kombiniere in meinem Blog ein fiktives Gewebe, das dann "schwupps" schon zum TEXT wird und damit "Literatur". Wow
Meinste nicht, jetzt übertreibste n'bisschen?
Die meisten wollen hier nicht son Zeug lesen, sondern andere kennen lernen.
Und dann? Kennen muss man eben erst mal lernen!
Ich will nicht gekannt werden sondern gelesen -
Was soll bitteschön im Internet der Unterschied sein? Die einzige Art, Kontakt aufzunehmen läuft ja nun mal über die 010101010101-Kombination, die Deine Buchstaben auf den Monitor eines anderen transportiert, auf das er Dir eine Antwort, ein Zeichen, eine Nachricht gibt, das da jemand Interesse an Deinem Zeug hat.
Und dann? Dann solls Kommentare regnen?
Was willste denn sonst damit erreichen? Dir selbst kannst Du doch einfacher einen Brief schreiben oder eben doch klassisch Tagebuch!
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